ESOTERISCHES WISSEN

Die psychologische Astrologie

 

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Astrologie - Der Tierkreis-Führer

Das Erlebnisprogramm der psychologischen Astrologie

Das Tier im Menschen — Die Urqualität des 9. Zeichens

Was das Sternbild am Himmel verrät

Anfang Juli um Mitternacht sieht man tief im Süden ein Gewirr schwach leuchtender Sterne. Einem Betrachter, der lange genug in den Himmel schaut, offenbart sich mit der Zeit das Bild eines zackigen Blitzes, der am fernen Horizont aufleuchtet und auf die Erde fällt. Dies ist das Sternbild des Schützen, das man in Mitteleuropa nicht vollständig sehen kann. Die Astronomen haben in diesem Zeichen viele interessante Sternhaufen entdeckt und in seiner Mitte vermutet man in unendlicher Entfernung das Zentrum unseres ganzen Milchstraßensystems. Unter dem weiten Raum des Sternenhimmels mag der Betrachter vielleicht die Frage stellen, wer er — ein Sandkorn im grenzenlosen All - sei; was ihn lenke und wohin sein Leben führe. Dann ist er auf den Spuren des Schützen, wird zum Jäger auf der ewigen Suche nach Wahrheit und Sinn.

Assoziationen: Blitz - Kosmisches Zentrum - Jäger -Wahrheit

Eine Reise durch die Natur im November/ Dezember

Wenn der Wind die letzten Blätter vom Baum erlöst hat und der Rauhreif den Morgen begrüßt, beginnt eine Zeit, in der die Natur nur noch ihr Gerippe zeigt. Aber tief in den Pflanzen und Wurzeln wächst ein Sehnen nach dem Licht. Denn schon jetzt konzentrieren sich im Inneren Energien, die den Aufbruch im Frühjahr vorbereiten.

Hoch im Norden herrscht die ewige Dämmerung, und auch weiter südlich dauern die Nächte fast doppelt so lang wie der Tag. Auf ihrer kurzen Reise steht die Sonne schräg und Nebel fangen ihre Strahlen ein. Manchmal hält sich der Dunst über Tage in Tälern und Mulden. Aber über den Niederungen, auf Hügeln und Bergkuppen, reicht der Blick weiter als zu jeder anderen Jahreszeit.

Die meisten Winterschläfer haben ihr Quartier bezogen. Was ausgerüstet ist für die Kälte, streift auf der Suche nach Nahrung durch die unbelaubten Wälder und die kahlen Felder. Dabei sind die Sinne aufs alleräußerste geschärft, denn es ist die Zeit der Jagd, und überall lauern Jäger mit ihren Treibern und Hunden.

Assoziationen: Gerippe - Ewige Nacht - Winterschlaf - Jagd

Schütze-Energie im Brauchtum und in kirchlichen Festen

Die dunkelste Jahreszeit weckt in den Seelen der Menschen die Angst vor der Macht des Bösen. Der Kalender der katholischen Kirche, der mit den Geschehnissen der Jahreszeit innig verflochten ist, kündigt im Dezember Rorare-Messen an. >Rorare< heißt >auftauen<, und die Gläubigen werden noch in der Frühdämmerung in der erleuchteten Kirche mit Gesängen und heiligen Worten empfangen und seelisch erwärmt. In früheren, heidnischen Zeiten wurden Dämonenkulte durchgeführt. Man musste den Ritt der Hexen abwehren oder sich vor Thors gefürchtetem Reiterheer schützen. Aber während man in der Zeit des Skorpions diesen Kräften hilflos ausgeliefert war, versucht man jetzt, die Unterwelt zu bannen und aus ihr einen Nutzen zu ziehen: Am 4. Dezember stellt man Barbara-Zweige, meistens Kirschzweige, ins Wasser. Während sich die Kinder an den aufbrechenden Knospen erfreuen, verfolgt der Bauer gespannt deren Wuchs — weil er daraus auf den Ertrag der kommenden Ernte schließen kann. Genauso gern ging man zu Wahrsagern und ließ sich die Zukunft aus den Karten oder der Kristallkugel lesen.

Nun kam die Zeit des fahrenden Volkes, welches bunte Farben in das wie im Winterschlaf dahindämmernde Dorf brachte. Jeder Neuankömmling wusste etwas zu erzählen, und je weiter er gereist war, um so begieriger lauschten die Leute. Man wollte wissen, was sonst noch in der großen Welt geschah. Herumreisende Leute waren die Nachrichtensprecher der Vergangenheit.

Am Abend saßen die Kinder bei den Alten und lauschten den Märchen oder gruseligen Geschichten und klatschten bei jedem >Happy End<. Am 6. Dezember ist Nikolaus und damit >Kindergericht<. Meist kommt der Sankt Nikolaus aus dem Wald, oft auf einem Pferd oder Esel. Aber fast immer begleiten ihn dämonische Gestalten, die zwar vom heiligen Alten gebannt waren, aber allein ihr Aussehen flößte Furcht und Schrecken ein. Wer von den Kindern gut und fleißig war, wurde beschenkt, den anderen drohte Strafe.

Marias unbefleckte Empfängnis ist am 8. Dezember, gefolgt vom Fest der Heiligen Lucia am 13. Meistens wird sie gesehen als eine Lichtbringerin; nur in Österreich war sie eine gefürchtete Frau, weil sie, wie der Heilige Nikolaus, einen ganzen Schwärm von Dämonen hinter sich herzog.

Am 21. Dezember, der längsten Nacht im ganzen Jahr, ist das Fest des Heiligen Thomas. Einst ungläubig, dann bekehrt und erleuchtet, soll er symbolisch die Überwindung der Dunkelheit verkünden.

Assoziationen: Zigeuner - Nachrichten - Nikolaus -Kindergericht - Mythen - Märchen - Licht

Das 9. Zeichen in der westlichen, chinesischen und indianischen Astrologie

Der Schütze — Westliche Astrologie

 

Schützen sind Waffenträger. Früher trugen sie eine Armbrust oder einen Bogen, heute ein Gewehr. In der Armee begleitet den Schützen ein niedriger Rang, aber in sportlichen Vereinen, in denen das Schießen als Kult und Wettkampf betrieben wird, bringt er es bis zum Schützenkönig oder zur Schützenkönigin.

Im Mythos taucht der Schütze als einer der Zentauren auf. Dies waren gigantische Wesen, halb Mensch, halb Pferd, die in der griechischen Urvergangenheit durch ihre sexuelle Direktheit erotische Verwirrung stifteten und manchmal mit der Lustgestalt Dionysos' einhergingen. Oft wird der himmlische Schütze mit dem Zentaur Chiron gleichgesetzt. Dieser war ein Heiler und Wohltäter und von so großer Güte, dass er zugunsten des Prometheus auf seine Unsterblichkeit verzichtete und dafür von Zeus zum ewigen Sternbild erhöht wurde.

Assoziationen: Waffenträger - Sport - Zentaur - Chiron - Heilkunde - Wohltäter

Die Ratte — Chinesische Astrologie

 

Ein Symboltier der fernöstlichen Astrologie ist die Ratte. Dieses bei uns recht unterbewertete Tier erhält bei den Chinesen eine außergewöhnliche Bedeutung, da es als sehr intelligent und wissbegierig gilt und ein ausgeprägtes Stammesgefühl besitzt. Während in unserer Kultur die Ratte schnell mit Ekelgefühlen belegt wird, spricht man ihr im fernen Osten intensive Lustempfindung zu: Sie hat einen nahezu unstillbaren Sexualtrieb und vermehrt sich daher in kürzester Zeit ins Immense. Auch ihr Kampfgeist in Notsituationen wird bewundert. Man sagt von der Ratte, dass sie in ausweglosen Situationen sogar mit Menschen und noch viel stärkeren Wesen kämpfen würde. Am schwierigsten für unsere Vorstellung aber ist es, wenn wir hören, dass die Ratte über schöpferische Fähigkeiten verfügen soll. Aber im Land der aufgehenden Sonne ist sie die Schutzpatronin der Poeten, Schriftsteller und aller anderen geistig schaffenden Menschen.

Assoziationen: Lust - Sexualität - Mut - Kreativität - Poesie

Der Wapiti — Indianische Astrologie

 

Wapitis sind die Könige der Hirsche. Sie leben in Wäldern, ziehen im Sommer ins Hochland und im Herbst in die Täler. Ihre Geweihe betrachten die Indianer als Antennen, mit denen die Wapitis Botschaften empfangen. Eine sonderbare Angewohnheit des Wapitihirsches ist es, die Heuhaufen, die Farmer während des Winters in der Nähe ihrer Häuser aufgestellt haben, bis zum Grund zu durchwühlen, als suchten sie genau im tiefsten Zentrum etwas Besonderes, das nur dort zu finden sei. Sie leben in Rudeln und haben starke soziale Bindungen. Im Winter, im tiefen Schnee, wechseln sich die Tiere beim Spuren ab. Dabei treten die nachfolgenden Tiere so genau in die Fußstapfen der vorderen, dass für einen Fährtenleser der Eindruck entstehen kann, als würde nicht ein Rudel, sondern nur ein einziges Tier durch den Schnee ziehen.

Die Indianer betrachten Wapitis als ein Symbol für Gerechtigkeit und Wahrheit. Ein röhrender Wapiti kann auch ein Signal dafür sein, dass der Hirsch den Indianer auf eine zukünftige wichtige Begebenheit hinweisen will.

Assoziationen: Geweih - Antenne - Stammesgefühl — Suche - Gerechtigkeit — Wahrheit

Die psychologische Bedeutung

Das Sternbild des Schützen, in welchem sich in unvorstellbarer Entfernung das Zentrum der Milchstraße befindet, lenkt den Geist des Menschen in eine andere Dimension. Er begegnet dem Rätsel der Schöpfung und stellt Fragen über seine eigene Existenz: Woher er kommt, wohin er geht, wer er ist. Die Antworten findet er nicht allein kraft seiner Sinneserfahrung. Wie die Natur im November nur noch ihr Gerippe zeigt und im Norden ganz unter dem Mantel der Dunkelheit versunken ist, so sucht der Mensch eine innere Quelle des Wissens und der Wahrheit. Er findet sie in Geschichten, Sagen, Mythen, Philosophien, Religionen, auch in Märchen, Träumen und Lügen, und spinnt daraus sein Gerüst innerer Anschauungen und Werte - er gibt dem Leben einen geistigen Sinn.

Übung — Der erste Eindruck von der Welt

Nehmen Sie sich bitte für diese Übung genügend Zeit. Sie werden in Räume Ihrer eigenen Vergangenheit eintauchen und dabei mehr darüber erfahren, wie Sie die Welt erleben und beurteilen.

Ihre Aufgabe ist es, sich an das allererste Märchen zu erinnern, das Ihnen erzählt wurde. Vielleicht sind Sie anfangs nicht sicher, welches die erste Erzählung war, die ihnen Ihre Mutter, Ihr Vater oder sonst ein Mensch Ihrer Kindheit erzählt hat. Möglicherweise ist es auch gar kein Märchen, sondern eine frei erfundene Geschichte, die Ihnen wieder einfällt. Es kann aber genauso gut sein, dass Sie nur Fragmente oder einzelne Szenen und Bilder Ihrer Geschichte erinnern, und z. B. nicht mehr wissen, wie das Ende war. Stellen Sie sich bitte vor, Sie wären wieder ein kleines Mädchen oder ein kleiner Junge: Damals war die Geschichte so etwas wie Ihre erste Nachricht von der Welt. Mit Hilfe dieses Märchens begannen Sie, sich eine innere Anschauung über das Leben zu bilden.

Jetzt ist es sehr wichtig, darüber nachzudenken, welches Welt- und Menschenbild in Ihrer ersten Geschichte enthalten ist.

Ist es eine fröhliche Geschichte?
Gibt es ein Happy-End?
Kommt Gewalt vor?
Ist es eine Liebesgeschichte?
Muss der Held Prüfungen durchstehen?
Ist der Held arm oder reich?

Sie können diese Übung natürlich auch mit einem Freund oder Ihrem Partner durchführen und die Antworten gemeinsam erarbeiten.

Viele Psychotherapien gehen davon aus, dass der Mensch die Welt zwar auf Grund seiner sinnlichen Eindrücke aufnimmt, aber sie gemäß einem inneren Sinn verarbeitet und ordnet. Ob Sie als Leser diese Zeilen wichtig finden oder nicht, hängt nicht nur vom Informationswert dieser Buchstaben ab, sondern auch davon, welchen Wert und welche Bedeutung Sie ihnen verleihen. Genauso verfügen Sie über eine bestimmte, ganz persönliche Moral. Beim Aufbau dieser inneren Landschaft spielen Märchen und Mythen eine wichtige Rolle, weil sie die ersten Nachrichten von der Welt darstellen.

Es ist daher sehr hilfreich, nicht nur seine individuelle Entwicklungsgeschichte aufzudecken — wie es im Kapitel 4 bei der Betrachtung des Krebses geschehen ist —, sondern auch die Märchen zu studieren. Gerade weil sie bildhaft sind, werden sie vom Unbewussten, das ebenso in einer bildhaften Sprache >denkt<, angenommen und ein Leben lang aufbewahrt.

Manchmal ist es wichtig, die ersten Bilder der Seele zu korrigieren, weil sie z. B. eine zu negative Einstellung zum Leben beinhalten. Wenn der Held Ihrer Geschichte unendliche Qualen erdulden und hundert Jahre Brotsuppe essen musste, bevor er kurz vor seinem Lebensende doch noch erlöst wurde, kann es durchaus sein, dass solche Botschaften auch Auswirkungen auf Ihre Lebenserwartung haben, und Sie - ohne dass Sie sich dessen bewusst sind — ein Leben ansteuern, das genauso hart und karg ablaufen soll.

Therapien, die solche inneren und unbewussten Entwürfe bearbeiten und verändern, bewirken — wie man heute weiß - tatsächlich auch eine Veränderung in der Lebensqualität.

Auch Sie sollen jetzt Ihre Geschichte so umschreiben, dass sie lustiger und vor allem lustvoller wird. Manchmal muss man nur das Ende verändern und gibt damit der ganzen Geschichte eine andere Bedeutung. Sie können davon ausgehen, dass Sie damit auch einen Einfluss auf Ihr inneres Weltbild genommen haben.

>Positives Denkern ist heute ein Modewort. Es gibt Hunderte von Veröffentlichungen und Tonbandkassetten, die den Menschen dazu anleiten, sein Leben durch positives Denken zu verändern. Soweit Themen des 9. Hauses angesprochen werden, können solche Botschaften an das eigene Unterbewusstsein durchaus funktionieren. Man darf nur nicht vergessen, dass damit nur innere und keinesfalls äußere Räume beeinflusst werden können.

Der Schütze ist das einzige Symbol im astrologischen Tierkreis, das Mensch und Tier miteinander verbindet. Der Pferdeleib steht für die dunklen, animalischen, instinkthaften Kräfte und der menschliche Oberkörper drückt das Sehnen nach Licht, geistiger Erkenntnis und Einsicht aus. Diese Dualität begegnet uns auch in den Gestaltungen der Schütze-Zeit: Im Sankt Nikolaus mit seinen düsteren Knechten oder in der heiligen Lucia, die ein ganzes Heer von Unholden mit sich führt. Der ungläubige Thomas, der sich bekehrt hat und heilig gesprochen wird, verkörpert diese beiden Seiten. Auch im Wapiti, dem astrologischen Sinnbild der Indianer, ist diese Polarität bildhaft eingefangen: Der Hirsch steht mit seinem massigen Körper fest auf der Erde und nimmt mit seinem Geweih Botschaften des Großen Geistes auf.

Soll der Mensch auf der Ebene des 9. Zeichens seine animalische Natur bändigen und überwinden?

Eines ist sicher: Der Schütze ist kein Sinnbild für einen Asketen. Ganz im Gegenteil! Als Zentaur ist er ein Symbol für dionysische Lust, und die astrologischen Entsprechungen der Indianer und Chinesen sind bestimmt keine Metaphern für Enthaltsamkeit: Das Brunftgeschrei eines Wapiti-Hirsches wird von den Ureinwohnern Amerikas als heiliger Donner beschrieben und die Ratte ist in China schlechtweg ein Symbol für exzessive Lust. Nicht bändigen, erst recht nicht unterdrücken, sondern das Animalische verstehen lernen - das bringt den Menschen über das Triebhafte hinaus. Wer das Tier in sich selbst nicht liebt und versteht, raubt ihm seine Kraft. Er wird zum Reiter ohne Pferd, zum Geist, der keinen Boden unter seinen Füßen hat.

Übung — Der innere Beobachter

Während Sie diese Zeilen lesen, sitzen Sie wahrscheinlich auf einem Stuhl oder liegen auf Ihrem Bett und halten dieses Buch in Ihren Händen. Sie überfliegen die Worte und überprüfen sie gleichzeitig auf ihren Wert. Dabei entgeht Ihnen, was Sie — zur gleichen Zeit — sonst noch alles tun. Z. B. werden Sie kaum die Arbeit bemerken, die ihr Körper aufbringt, um Sie in der Position zu halten, die Sie gerade einnehmen. Vielleicht fällt Ihnen auch jetzt erst auf, dass Sie die Schultern leicht nach oben drücken oder Ihre Beine etwas verspannt aneinander pressen. Möglicherweise hören Sie neben dem Lesen auch noch Musik oder registrieren jetzt, darauf aufmerksam gemacht, Geräusche von der Straße. All dieses haben Sie verarbeitet, ohne dass es Ihnen überhaupt bewusst wurde. Während Sie aber diese zusätzliche Tätigkeit und Informationen bedenken, werden Sie immer aufmerksamer. Es ist, als würde Ihr Bewusstsein wie das Licht eines Scheinwerfers von einer Gegebenheit zur nächsten streichen. Sie vergrößern dadurch Ihr Beobachtungsfeld, Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Bewusstsein über Ihre momentane Lebenssituation.

Auf der Ebene des 9. Zeichens geht es um Bewusstsein. Es ist jene Kraft, die den Menschen über seine tierhaften und dunklen Anteile erhöht. Bewusstsein setzt ihm die Krone auf; der Mensch berührt den Himmel, entdeckt das Göttliche, das schon immer in ihm war. Letzten Endes unterscheidet sich der Mensch vom Tier nur durch diese Kraft.

Das Bewusstsein ist eine Art Beobachter. Er schlummert in jedem Menschen, muss aber erst geweckt werden. Dieser Beobachter ist eine Instanz, die am gesamten Sein Teil hat, ohne sich selbst zu engagieren. Wie ein Spiegel zeichnet er ein vollständiges Bild. Er ist im Menschen und gleichzeitig außerhalb von ihm. Dieser Beobachter ist ohne Präferenz, ist bereitwillig, offen und redlich, er will nichts anderes sein als er ist. Er beobachtet nur, was vor sich geht. Es ist seine Aufgabe, Notiz von den Erfahrungen zu nehmen.

Die Instanz des Beobachters hat eine lange Tradition: Seit Jahrtausenden haben Schüler von ihren Meistern oft nur diese einzige Aufgabe erhalten: »Stärke deinen Beobachter!« oder »Dein innerer Zeuge bringt dich auf den Weg der Erleuchtung!«

In der asiatischen Tradition ist der Körper, die Materie, nicht etwas, das es zu überwinden gilt, weil es den Weg des Geistes verhindert, sondern der Körper wird wie ein Tempel betrachtet, in dem das Bewusstsein wohnt. In der liebevollen Zuwendung und Wahrnehmung verändert sich auch die Materie, wird anmutig und spiegelt seine göttliche Herkunft.

Auf der Ebene des 9. Zeichens wird das Tier nicht überwunden, sondern viel eher von einem höheren Geist beseelt.

Übung - Die Wirkung der Aufmerksamkeit

Erinnern Sie sich bitte an die letzte Übung, in der Sie Ihren inneren Beobachter kennenlernten. Dabei ist Ihnen sicher aufgefallen, dass Ihre Körperhaltung sich fast automatisch verändert hat, während Sie bewusster wurden. Z. B. nahmen Ihre Schultern wie von selbst eine entspanntere Haltung ein. Probieren Sie es ruhig noch einmal aus: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Körperteile, die Ihnen die deutlichste Empfindung — vielleicht eine Spannung oder einen Druck — signalisieren. Beobachten Sie nun ohne Wertung und ohne jedes Urteil. Sie werden feststellen, dass sich allein durch den Vorgang der Bewusstwerdung Ihre Haltung verändert, dass sie entspannter und natürlicher wird.

Bewusstwerdung bedeutet immer auch Veränderung. Alle modernen Psychotherapien heilen letztendlich, indem sie bewusstmachen und Einsicht verschaffen.

Eine alte chinesische Erzählung berichtet von einem Meister, der von einem berüchtigten Taschendieb aufgesucht wurde. Der Dieb fragte den Meister, was er tun solle, um seine schreckliche Angewohnheit loszuwerden. Der Meister sagte nur: »Beobachte Dich, wenn Du stiehlst!« Während nun die Schüler des Meisters sehr verärgert darüber waren, dass ein so unwürdiges Verhalten nicht anders geahndet wurde, kam der Dieb nach wenigen Tagen zurück und klagte, dass er unmöglich stehlen und sich zur gleichen Zeit beobachten könne.

Die Hakomi-Psychotherapie*, eine relativ junge Therapie, hat z. B. zum Ziel, den Klienten durch geduldige Hinweise bewußter zu machen. Dieser Methode sind auch die folgenden Regeln entnommen, mit deren Hilfe man seinen inneren Beobachter - und damit die Kräfte seines 9. Hauses — entwickeln kann:

■ Nach innen gerichtet beobachten: Wenn man die Augen schließt, richtet man seine Aufmerksamkeit nahezu von selbst nach innen und nimmt wahr, was jetzt und hier geschieht.

■ Passivität: Dies ist das Gegenteil von aktiver Konzentration. Sie ist vergleichbar mit dem weiten Blickfeld eines Menschen, der in die Ferne sieht.

■ Den Zeichen folgen: Wenn man sich im Zustand innerer Achtsamkeit befindet, übermittelt das Unterbewusstsein Botschaften, die auf eine neue Spur führen können.

Wer versucht, über eine längere Zeit im Zustand des Beobachters zu verharren, wird feststellen, dass man seine Aufgabe immer wieder vergisst und in sein normales >Alltagsbewusstsein< fällt. Lehrer und Meister haben Methoden entwickelt. Im japanischen Zen z. B. sitzt der Schüler vor einer Wand und versucht mit geöffneten Augen nichts anderes wahrzunehmen, als das, was gerade ist. Der Meister hat einen langen Stock und berührt von Zeit zu Zeit das Haupt des Schülers, um ihn an seine Aufgaben zu erinnern. Gurdjew, ein geheimnisumwobener Meister, der viele Schüler um sich sammelte, hatte folgende Methode: Während seine Schüler ihren Tätigkeiten nachgingen, rief er plötzlich >stop<, oder es erklang ein lautes Signal. Was immer seine Schüler gerade taten, sie mussten sofort innehalten, um sich ganz dem bewussten Erkennen zu ergeben.


      







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